Trump und der Zorn der Götter in Bali

2017-04-08: Tagesschau.de

Geplantes Luxushotel auf Bali

(…) Eine der Firmen von US-Präsident Trump plant ein Luxusressort – direkt neben Tanah Lot, dem wichtigsten und heiligsten Tempel der hinduistischen Balinesen.(…)

Das wichtigste Heiligtum der Hindus auf Bali ist von der Brandung umtost und nur bei Ebbe erreichbar. Das neue Sechs-Sterne-Hotel soll keine zwei Kilometer Luftlinie entfernt entstehen. „Das ist unmöglich!“, sagt der hinduistische Rechtsprofessor Wayan Windia von der Universität Bali in einer Absolutheit, als sei der Trump-Plan durch sein Urteil vom Tisch.

„Es geht um die Dreifaltigkeit von Religion, Mensch und Umwelt. Hinduismus ist auf Bali nicht nur Glaube, sondern eine Lebensart. Sie müssen mit den Göttern, mit den Nachbarn und mit der Welt in der sie leben, im Einklang sein“, erläutert Windia. „Und wenn jemand ein Gebäude zu dicht an unserem heiligen Tempel baut, dann ruft er nicht nur den Zorn der Götter hervor, sondern auch den Zorn der Natur und der Menschen, die hier leben. Warum sollte jemand so etwas tun?“

Entfernung und Höhe – das sind die beiden entscheidenden Faktoren für gläubige Hindus. An den heiligen Stätten darf nicht zu nah gebaut werden, aber vor allem nicht zu hoch. Die Kokospalme, so erklärt der Unternehmer Khadek, ist das Maß aller Dinge: „Wir dürfen keine Häuser bauen, die höher als Kokospalmen sind. Das ist ein Gesetz hier auf Bali.“ Denn die Kokospalme sei der wichtigste Baum für die Balinesen. „Wir brauchen ihn für die religiösen Zeremonien – den Stamm, die Blätter, die Früchte. Wir nutzen jedes Teil für die Zeremonie. Und die Zeremonie ist das Wichtigste in unserem Leben. Wenn wir höher bauen, verärgern wir die Götter. Deshalb würde auf Bali niemand in einem Haus wohnen, das höher ist als die Kokospalmen“, so Khadek.

Eine Milliarde Dollar soll veranschlagt worden sein

Das endgültige Design und die Höhe des Hotelturms stünden noch nicht fest, heißt es von Trump Hotels. Die Leitung der Firma hat der US-Präsident nach dem Einzug ins Weiße Haus an seine Söhne Donald Jr. und Eric übergeben. Eine Milliarde Dollar haben sie angeblich für das Mammutprojekt veranschlagt.

Die Pläne für das neue Luxushotel stünden aber in jeder Hinsicht im krassen Gegensatz zur Heiligkeit des Tempels, so Ketut Diatmika vom Rat der Hindus auf Bali: „In Hotels gibt es ja zuweilen auch Diskotheken, Striptease und solche Sachen. Das läuft dem Gefühl für die Heiligkeit des Tempels völlig zuwider. Die Gläubigen wollen sich ins Gebet versenken und mit ihren Göttern sprechen – und dann kommt da von draußen laute Musik. Natürlich stört das die Konzentration der Gläubigen.“ (…)

Trumps Geschäftspartner auf Bali ist übrigens der indonesische Milliardär und Politiker Tanoesoedibjo. Der Unternehmer hat kürzlich erklärt, 2019 für das Amt des indonesischen Präsidenten kandidieren zu wollen – zwei Staatenlenker als Geschäftspartner. Wenn er Erfolg hat, gäbe es neben religiösen also auch massive Interessenkonflikte, ätzen die Kritiker.

Ein Tower auf den Klippen, Villen, Bungalows, Golfplätze: Das größte Ressort für die Reichen auf Bali soll auf 100 Hektar Fläche entstehen. Geplante Bauzeit: drei Jahre.

Man kann dem Glauben der balinesischen Hindus mit Respekt begegnen oder das alles für lächerlichen Kinderkram halten. Jedem das Seine. Oder man setzt sich einfach darüber hinweg, wenn man weiß, dass sich die einheimischen Leute sowieso nicht wehren können.

Great deal!

Das politische Trump-Modell findet Nachahmer.

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