Nicht die gleiche, aber eine ähnliche Idee aus Mexiko

Mexiko ruft Bauunternehmen zum Boykott auf

2017-03-20 Spiegel-Online

Hier ruft die mexikanische Regierung zum Boykott auf:

Mexikos Außenminister Luis Videgaray appellierte an die Unternehmen seines Landes, ihre Entscheidungen zu überdenken. „Alle Unternehmen, die hier eine wirtschaftliche Chance sehen, sollten ihr Gewissen überprüfen. Wir sprechen beim Bau der Mauer nicht über Ökonomie, sondern über einen zutiefst unfreundlichen Akt zwischen zwei Nationen“, sagte Videgaray.

Unser Boykott geht allerdings in eine andere Richtung: Wir boykottieren die Unternehmen, die mit ‚Trump-Unternehmen‘ kooperieren. Mit unseren eigenen Kaufentscheidungen! Und – wer mitmacht – veröffentlicht seine konkrete Boykottentscheidung.

Wir wollen nicht, dass es bei Aufrufen bleibt, die im Nebel verhallen.

5 Gedanken zu „Nicht die gleiche, aber eine ähnliche Idee aus Mexiko“

  1. Sehr geehrter Herr Roeb-Rienas,
    es ist dem mexikanischen Präsidenten sicherlich als Manko auszulegen, daß er sich in seinen Handlungen nicht mit Ihnen und Ihrer Kampagne abgestimmt hat.
    Bitte verzeihen Sie mir meine ironische Bemerkung, ich bin im Internet auf Ihr Projekt aufmerksam geworden und es ist mir nicht gelungen, mich kommentarabstinent zu verhalten.
    Und ist es nicht so, daß Mexiko selbst eine Mauer installiert hat bzw. eine solche plant an seiner südlichen Grenze zu Guatemala und Belize, um Armutszuwanderung zu unterbinden? Fällt die Bewertung dieses Umstandes in eine andere Kategorie von Bewertung und Moral? Falls ja, müßte man von Doppelmoral sprechen. Falls nein, müßte man fragen: warum geht es dann nur gegen Trump? Und man müßte womöglich die eigenen Bewertungskriterien hinterfragen – aber wer tut dies schon gerne?
    mit besten Grüßen
    Lothar Eder

    1. Sehr geehrter Herr Eder,
      zu den Bewertungskriterien: diese habe ich auf der Seite Warum diese Kampagne – jetzt – ausführlich genau aufgelistet:
      10 Gebote für einen demokratischen Regierungsstil

      Einem Amtsträger mit einer solchen Bedeutung und Machtfülle kann abverlangt werden,

      dass er es akzeptiert, dass die (Welt-)Öffentlichkeit ihn mit seinen präsidialen Äußerungen – wenigsten bis zu einer gegebenenfalls erforderlichen Richtigstellung – ‚beim Wort nimmt‘
      dass er glaubhaft macht, dass er bereit und in der Lage ist, seine präsidialen Aufgaben und Entscheidungen von seinen persönlichen und materiellen Interessen zu trennen
      dass er sich einer angemessenen öffentlichen Kontrolle seiner wirtschaftlichen Verhältnisse und Interessensphären unterwirft und alles notwendige unternimmt, die erforderliche Transparenz herzustellen
      dass er es unterlässt, neben seinem Präsidentenamt privatwirtschaftliche ‚Nebentätigkeiten‘ auszuüben, die das Ziel haben, sich einen persönlichen wirtschaftlichen Vorteil zu verschaffen oder sich einen solchen Vorteil versprechen zu lassen
      dass er es unterlässt, – außer seinem Präsidentengehalt – direkt oder indirekt wirtschaftliche Zuflüsse zu seinem Privatvermögen oder dem Vermögen seiner Familienangehörigen von öffentlichen inländischen oder ausländischen Stellen anzunehmen oder sich versprechen zu lassen
      dass er es unterlässt, in seiner Funktion als Präsident Werbung für eigene Unternehmen oder Geschäftstätigkeiten seiner Familienmitglieder oder persönlicher Freunde zu betreiben
      dass er alles erforderliche unternimmt um glaubhaft zu machen, dass die politischen Amtsträger in seiner eigenen Entscheidungsumgebung über jeden Verdacht der Vorteilsnahme erhaben sind
      dass er sich im Sinne einer Gewaltenteilung nicht nur freiwillig, sondern offensiv der Kontrolle durch die hierfür geschaffenen (oder gegebenenfalls noch zu schaffenden) Verfassungsorgane unterwirft
      dass er sich offensiv und freiwillig regelmäßig den verschiedenen Presseorganen stellt
      dass er es sowohl unterlässt, inländische und ausländische Amtsträger und Personen des öffentlichen Lebens öffentlich persönlich zu diskreditieren, als auch ganze Personen- oder Bevölkerungsgruppen mit spezifischen ethnischen, religiösen oder weltanschaulichen Merkmalen, insbesondere Minderheiten zu diskriminieren

      Warum geht es dann nur gegen Trump?
      Hier geht es gegen Trump – in der Tat. Allerdings bedeutet das nicht, dass ich damit andere politische Missstände und Unsitten oder Verbrechen anderer Politiker schön reden möchte. Das ist das Totschlagargument für jede Initiative, dass man auch etwas anderes tun könnte, oder dass man das gleiche auf eine andere Art und Weise tun könnte. Tun wir aber nicht mit dieser Kampagne. Ich habe mich für diesen Weg entschieden, weil
      – die Ereignisse um den Amerikanischen Präsidenten zurzeit aktuell sind und nicht in der Vergangenheit oder Zukunft liegen
      – es mutmaßlich zu einer Veränderung führen würde, wenn die Person Trump ‚aus dem politischen Verkehr gezogen würde‘
      – die Teilnahme an der Kampagne den Teilnehmern die Möglichkeit bietet, konkret jetzt! etwas zu tun anstatt sich damit schmücken festzustellen, dass es eigentlich an der Zeit sein könnte zu überlegen, unter welchen Bedingungen es sinnvoll sein könnte, dass andere Personen sich gefälligst befleißigen sollten, sich zu bemühen, darüber nachzudenken, dass die Welt sich auch andersherum drehen könnte.
      Es geht mir aber auch nicht nur um die ‚Personalie Trump‘ sondern um das Musterbeispiel für einen in meinen Augen extrem verkommenen Politikstil, der zurzeit offenbar Konjunktur hat und offenbar Nachahmer und Trittbrettfahrer findet.
      Mein Vorschlag: Machen Sie sich die Mühe und organisieren Sie eine Kampagne gegen die mexikanische Mauer ‚von der anderen Seite‘ und tun Sie konkret etwas. Ich habe gestern die erste meiner Bankverbindungen (Consors Bank) komplett ‚gehimmelt‘ weil sich die Bank um eine Erklärung gedrückt hat. Können Sie konkret nachlesen. Hat mich was gekostet, bezahle ich aber doch lieber als nix tun und warten, dass andere sich bequemen. Lamentieren und Buhrufe kosten allerdings nix.
      Dass ich mich auf den Spiegel-Artikel bezogen habe liegt an dem Stichwort Boykott. Ich habe aber auch erwähnt, dass unser Boykott in eine andere Richtung geht. War vielleicht nicht verständlich genug.
      Ich akzeptiere auch die Meinung anderer, die Trump (und sein konkretes Verhalten und seinen Politikstil) nicht für ein Problem halten sondern für eine Lösung. Allerdings teile ich diese Auffassung nicht.
      Also Butter bei die Fische: Wollen Sie Trump unterstützen? Dann tun Sie es! Überweisen Sie ihm Ihr Taschengeld! Ich bin überzeugt, dass er es gebrauchen kann. Ist doch ganz einfach.

      1. Sehr geehrter Herr Roeb-Rienas,
        um mit dem Schluß anzufangen: natürlich wissen Sie, daß ich dem Taschengeldalter längst entwachsen bin und Herr Trump eher in der Lage wäre, mir Geld zu überweisen als ich ihm (für Ihr diesbezügliches Engagement wäre ich Ihnen aber bei aller Aussichtslosigkeit sehr verbunden!).
        Aber im Ernst: meine Fragen sind ja nicht wirklich beantwortet. Und Ihre Anmerkungen bzgl. des verkommenen Politikstils lassen mich wiederum fragen: warum in die Ferne schweifen, wenn das Schlechte liegt so nah?
        Denn Anzeichen für einen verkommenen Politikstil finde ich persönlich (und nicht nur ich) im eigenen Lande zuhauf.
        Lothar Eder

        1. Sehr geehrter Herr Eder,
          nicht jeder versteht die Ironie meiner Bemerkungen…
          Aber im Ernst: Leider kann ich nicht erkennen, welche Ihrer Fragen ich nicht beantwortet habe. Die Bewertungskriterien für die Bewertung von Amtsträgern habe ich eingehend dargelegt. Ehe wir aneinander vorbei diskutieren: Wenn es um die ‚Frage‘ nach der Doppelmoral geht, würde ich gern wissen, ob Sie diese Frage auf die Bewertung von Regierungschefs beziehen oder auf die Bewertung von Initiatoren von Kampagnen wie dieser hier. Das sind ja sehr verschiedene Jobs. Falls es ’nur‘ um Regierungschefs geht, erlaube ich mit zu bemerken, dass es ja erlaubt ist, verschiedene System und deren Repräsentanten zu vergleichen; das ist aber gar nicht das Anliegen dieser Kampagne.
          Hier ein Zitat aus unserer eigenen Seite: „…Dass auch andere Persönlichkeiten des politischen Lebens ihr Amt ebenfalls missbräuchlich ausüben oder ausgeübt haben, akzeptieren wir nicht als Rechtfertigung für fragwürdiges Verhalten; deshalb beteiligen wir uns nicht an Vergleichen mit gegenwärtigen oder früheren Persönlichkeiten der Politik. …“
          Sie Fragen weiter: „… warum in die Ferne Schweifen…“ In Ihren kritischen Bemerkungen vorher beziehen Sie sich auf einen Mauerbau durch die Mexikaner zu Lasten anderer Staaten. Nach meinen geografischen Kenntnissen liegt Mexiko nicht sehr viel näher zu Deutschland als die USA. Es gibt auch noch eine endlose Liste von anderen Quellen der Unzufriedenheit auf der Welt, über die man sich m. E. zu Recht beklagen kann.
          Was ich vermisse ist Ihre Beantwortung meiner Fragen. Ist aber vielleicht auch nicht Ihr Job.

          1. Sehr geehrter Herr Roeb-Rienas,
            ich hoffe, Sie haben trotz der frühen Uhrzeit Ihrer Antwort gut und ausreichend geschlafen …
            Nun – mit dem Schlechten in der Nähe meinte ich durchaus nicht Mexiko. Denn hierzulande finde zumindest ich (und nicht nur ich) erhebliche Demokratiedefizite, angefangen bei der Politik der EZB, die auch Ihr Vermögen (egal ob Sie es bei einer trumpaffinen oder nicht -affinen Bank deponieren) schmelzen läßt wie Schnee im August. Das geht über eine Migrationspolitik, die keinerlei demokratische Legitimierung hat bis hin zu aktuellen Gesinnungsüberwachungen und Anstiftungen zur Ausgrenzung von Andersdenkenden seitens der Regierungsparteien. Es gäbe also vor der eigenen Haustüre viel zu monieren und zu tun.
            Warum Sie sich nun ausgerechnet Herrn Trump als Zielscheibe aussuchen, erschließt sich mir vor dem Hintergrund der o.g. Tatsachen schlichtweg nicht. Ich habe Ihnen ja bereits in einer privaten Mail geschrieben, daß ich in Zusammenhang mit Trump und dem allgemeinen Trumpbashing eigentlich die Frage der eigenen Motive und Projektionen (Trump als „Weltbösewicht“) am interessantesten finde. Ich dachte, bei einem Psychiater seien derlei Überlegungen gut aufgehoben. Aber man kann sich ja täuschen …
            Zudem: wenn Sie als Chefarzt im Ruhestand 10 Gebote für den amerikanischen Präsidenten aufstellen, dann scheint mir – milde gesagt – die Verhältnismäßigkeit nicht ganz gewahrt.

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