Größter anzunehmender Scherbenhaufen

2020-11-04; 11:50 (MEZ)

Make America great again
GROSS ist jedenfalls jetzt der Scherbenhaufen !

Die Stimmen der Präsidentschaftswahl sind noch nicht alle ausgezählt. Ob es zu einer Auszählung aller abgegebenen Stimmen kommt, kann bezweifelt werden.

Es ist bezüglich der Wahl das eingetreten, was als ‚worst case‘ viele befürchtet haben; deshalb bin ich auch nicht besonders überrascht.

Was ich jetzt verstanden habe ist, dass das amerikanische Wahlsystem mit meinem Verständnis von demokratische Mindestanforderungen nichts zu tun hat; das hatte ich vor der Wahl noch nicht wirklich begriffen.

Ich hatte vor der Wahl auch noch nicht begriffen, warum die Wahlbeteiligung in den USA schon immer so gering war – jetzt habe ich es kapiert!

Warum sollte ein Wähler in einem Nicht-Swing-State sich der Mühe unterziehen, zur Wahl zu gehen; die Stimme hat keinerlei Wirkung, unabhängig davon, ob der jeweilige Wähler zur traditionellen Mehrheitspartei oder zur Minderheitspartei tendiert. Das „The winner takes it all“-Prinzip verhindert, dass die einzelne Stimme zählt; für den Wahlzettel ist die Wahlurne nicht besser als der Papierkorb.

Meine weitere neue Erkenntnis der – entgegen meiner Erwartung – sehr langweiligen Wahlnacht ist, dass bei den Wählern mutmaßlich mehrheitlich kein Interesse an einer Reform des Wahlsystems besteht.

Offenbar besteht auch kein mehrheitliches Interesse an einer Weiterentwicklung der demokratischen Grundlagen. Die Amerikaner – wie auch deren politische Führer – können und wollen nicht zwischen Privilegien und Grundrechten unterscheiden. Vermutlich entscheiden sich die meisten Amerikaner, wenn sie sich aufraffen zur Wahl zu gehen, für den Präsidentschaftskandidaten, der ihnen den Erhalt ihrer Privilegien verspricht und nicht für denjenigen, der ihnen den Erhalt ihrer Grundrechte in Aussicht stellt. Deshalb ist der Slogan „Make America great“ so attraktiv. Damit kann sich jeder, der sich benachteiligt fühlt und der auch gerne groß sein will, identifizieren. Hauptsache größer sein als die anderen – oder wenigstens sollten die anderen kleiner sein!

Mein Fazit: Amerika ist bezüglich der demokratischen Kultur ein hoffnungsloser Fall, unabhängig davon, wer in Zukunft als Präsident im Weißen Haus sitzen wird.

Ich bin froh, dass die Amerikaner bis auf Weiteres mit sich selbst beschäftigt sein werden und ich mich in diesem Land nicht aufhalten muss.

Ob ich zum Mitleid bereit bin, wenn sich die Amerikaner in nächster Zeit auf der Straße gegenseitig zerfleischen oder dem Covid-19-Virus zum Opfer fallen, habe ich noch nicht entschieden. Sie hätten eine Chance gehabt, die sie nicht genutzt haben.

Dass sich das Wahlvolk in Deutschland der amerikanische Haltung mit der üblichen zeitlichen Verzögerung anschließen wird ist zu befürchten; ich hoffe, dass dies erst eintritt, wenn meine Lebenszeit abgelaufen ist.

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