Das Kollegium der egomanen Präsidenten

2017-07-22 Handelsblatt:

Egomanen in der Politik
Was Trump-Gegner von Berlusconi lernen sollten
Silvio Berlusconi und Donald Trump – ihre Ähnlichkeit ist fast erschreckend. Auch ihre Gegner zeigen gleiche Reflexe. Doch als politische Gegenmaßnahmen sind sie untauglich – wie die Ära Berlusconi zeigt. (…)
Was für Berlusconi galt, gilt heute für Trump: Je mehr sich seine Gegner auf ihn einschießen, umso mehr steht er in den Augen seiner Fans als Märtyrer da. Die Ermittler sind ihm auf den Fersen ? Eine politisch motivierte Hexenjagd. Die Journalisten kritisieren ihn? Fake News. Das Drehbuch ist bekannt. Italien lässt grüßen.
Das Kollegium der egomanen Staatslenker (Berlusconi, Kim Jong-Un, Erdogan, Putin, Schröder, Trump …) vergrößert sich. Und die Ähnlichkeiten sind wirklich beeindruckend. Sowohl was die persönlichen Vorlieben angeht, als auch der Politikstil und die Überzeugung der Unfehlbarkeit. (Mit dieser Eigenschaft ist ja auch der Papst gesegnet.) In der Überzeugung der Unfehlbarkeit sind sich die Häuptlinge selbst und deren Diener völlig einig. Dabei spielt die Parteizugehörigkeit und die soziale Herkunft der Herrscher kaum eine Rolle. Sie können aus der rechten oder der linken Ecke der Politik – oder von ‚Unten‘ oder von ‚Oben‘ kommen.
Es stellt sich die Frage, ob es an den speziellen Persönlichkeiten oder den politischen und juristischen Rahmenbedingungen und der Mentalität der von ihnen regierten Bevölkerung liegt, dass sie sich so stabil in ihren Positionen halten können. Allem Anschein gibt es einen sehr starken menschlichen Wunsch nach einer unfehlbaren, unangreifbaren und möglichst unvergänglichen und damit vermeintliche Sicherheit und Gerechtigkeit garantierenden Obrigkeit. Ob diese Obrigkeit im Diesseits oder Jenseits – oder in der Vergangenheit oder der Zukunft angesiedelt ist, das ist eine Geschmacksfrage und hängt davon ab, ob man die Glückseligkeit im Himmel oder auf der Erde erwartet. Gemeinsam ist allen Königen und Propheten, dass es einer Heiligsprechung gleichkommt, wenn man sich in ihrer Nähe aufhalten darf und an ihrem Glanz teilhaben kann. Wofür lohnt sich denn sonst das Leben und woran soll man denn sonst noch glauben.
Hier passen die Feststellungen von Dieter Nuhr, dass Glaube bedeutet, dass man nichts weiß – aber fast sicher ist, … und dass der Unterschied zwischen Glauben und Wahnsinn in der Anzahl der Gläubigen besteht. …
Wer ungläubig ist, ist eben ein Verräter – und verdient keine Gnade.

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