Faszination Feuerwerk – an der Börse und im Krieg

Die Risiken der militärischen Möglichkeiten des isolierten Staates Nordkorea und der USA einzuschätzen, ist bei der derzeitigen Nachrichtenlage für Otto Normalverbraucher schon schwer genug; kein Sterblicher hat einen realistischen Einblick in die Arsenale. Zweifellos sitzen beide Nationen auf hochgefährlichen Pulverfässern.

Noch schwieriger erscheint mir, die Risiken der Unvernunft der Machthaber zu beurteilen; keiner hat einen Einblick in die Köpfe und die Denkvorgänge der beiden Herren Trump und Kim Jong Un. Die vernehmbaren Äußerungen und die beobachtbaren Handlungen der Staatsoberhäupter lassen wenig Spielraum für die Annahme, dass diese besonders weitsichtig und verantwortungsvoll für ihre Untertanen denken und ihre eigen Emotionen besonders gut unter Kontrolle haben.

Am schwierigsten ist es für mich, einzuschätzen, was sich die Leute denken, die die von den beiden Machthabern ausgehenden Äußerungen und Handlungen beobachten, sich deren Verhalten untätig einfach bieten lassen und allenfalls ‚Buh‘ oder ‚Huraa‘ schreien, – oder versuchen, durch eigenes Handeln einen persönlichen Vorteil aus den Vorlagen der Staatslenker zu ziehen.

Dass Kim Jong Un unberechenbar ist, kann wohl kaum bezweifelt werden. Dass er im Sinne seiner eigenen Interessen, geschweige denn im Interesse seines Volkes oder der Weltbevölkerung besonnen und ‚vernünftig‘ handelt, halte ich schon deshalb für extrem unwahrscheinlich, weil dem jungen Kerl ohne Lebenserfahrung unten normalen Lebensbedingungen jegliches Korrektiv seiner Vorstellungen, Ideen und Entscheidungen fehlt. Jeder, der ihm in seinem Umfeld widerspricht oder die Meinung der ‚großen Führers‘ in Frage stellt, riskiert, einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Es wird ja nur geklatscht und mitgeschrieben. So etwas wie parlamentarische oder juristische Kontrolle der Regierung scheint es in Nordkorea nicht zu geben.

Noch problematischer ist aber m. E., dass in einem ‚demokratischen‘ Land wie den USA eine Person von einem ähnlichen persönlichen Kaliber zum Präsidenten gewählt worden ist, die zwar ungefähr doppelt so alt ist wie der andere, aber allem Anschein nach keineswegs über mehr emotionale Stabilität verfügt, gerne ‚aus der Hüfte schießt‘ und kaum einen Text von mehr als 140 Zeichen zustande bringt. Jedenfalls nehmen sich die beiden Herren nicht viel in ihrem Streben nach Applaus ihrer Untertanen. Beide lassen sich gerne, umringt von schönen Frauen, klatschenden Generälen und ehrerbietigen Ministern, ablichten. Die Bedeutung der eigenen Familie liegt beiden wohl gleichermaßen sehr am Herzen. Ob dem nordkoreanischen Machthaber ‚great deals‘ genau so ‚grandios‘ und unfehlbar wie Trump gelingen, ist schwer zu beurteilen; jedenfalls bin ich mir sicher, dass Kim Jong Un das von sich genauso behaupten würde wie Trump. Offensichtlich sind ihre diplomatischen Fähigkeiten auf einem vergleichbar niedrigen Niveau – ebenso ihre Bereitschaft oder Fähigkeit, durch Kritik zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Wie sich die Bilder doch gleichen.

Und das schauen sich nicht nur die Amerikaner, sondern die gesamte Weltbevölkerung tatenlos an.

Dass weder die verarmte nordkoreanische Bevölkerung noch die besser gestellten Funktionäre Nordkoreas eine realistische Chance zum Widerstandes haben, liegt auf der Hand.

Die Verhältnisse in der sogenannten freien westlichen Welt sind damit aber nicht vergleichbar. Trotzdem lassen sich die meisten westlichen Wirtschaftsfunktionäre und Politiker einerseits und ein nicht unwesentlicher Teil der ‚kleinen Leute‘ andererseits nicht davon abhalten, einer Persönlichkeit ‚aus der Hand zu fressen‘ die allem Anschein nach das Zeug hat, das gesamte Weltgefüge vor die Wand zu fahren. Der Glaube an das versprochene Wirtschaftswunder scheint so unerschütterlich zu sein wie der Glaube an die Jungfräulichkeit der Mutter Maria oder die 72 Jungfrauen im Paradies. Wer das ‚Wunder‘  z. B. auf dem Wege der Wertschöpfung durch Arbeit erwirtschaften soll ist mir nicht ersichtlich.

Heute titelt das nicht gerade linkslastige Handelsblatt:

100 Tage Trump: „Die politische Unsicherheit ist immens“
Nach 100 Tagen im Amt hat US-Präsident Donald Trump politisch wenig umsetzen können. Die Aktienmärkte haben die neue Regierung dennoch gefeiert. Und ein Ende der Kursrally ist nicht in Sicht. 

Die Börse und diejenigen, die daran glauben, dass die Börse recht hat und schon für das ‚Wunder‘ sorgen wird, jubeln. ‚great‘!

Zurück zu den beiden Machthabern:

Es stellt sich doch die Frage, welcher von den beiden das größere Risiko für die Weltbevölkerung darstellt. Der mit den drei oder vier Atombomben oder der mit – na ja ich weiß auch nicht, wie viele von diesen Knallkörpern der andere wirklich hat. Wenn sich die beiden Herren gegenseitig Ungutes unterstellen, schließen sie vermutlich von sich auf den jeweils anderen. Wer von den Feuerwerkern wohl zuerst auf den roten Knopf drückt? Wahrscheinlich der, dem seine Untertanen zuerst die Gefolgschaft verweigern oder zu verweigern drohen. ‚Great‘ oder was?

Feuerwerk löst bei vielen Menschen eine gewaltige Faszination aus. Das gibt es eben nicht umsonst.

Wir müssen was machen? – nein, müssen wir nicht!

Wir müssen keine Politik machen und wir müssen auch keinen Wahlzettel abgeben. Wir müssen uns auch nicht schlau machen, was in der Politik passiert. Wir können uns natürlich wünschen oder auch hoffen, dass ‚man‘ was tun sollte – also am besten sollten die ‚anderen‘ das tun, was wir uns wünschen; oder ‚die Politik‘ sollte etwas anderes tun als sie tut.

Wir können auch zuschauen (oder die Augen zu machen), wenn wir merken oder ahnen, dass die Karre vor die Wand fährt. Das ist erlaubt. Hauptsache wir sitzen in dieser Karre selbst nicht drin – aber wer weiß das schon, wer drin sitzt und ob wir dabei sind. Und vielleicht ist die Wand auch keine Wand, sondern nur ein Schatten oder eine Behauptung von böswilligen Menschen.

Und wenn wir doch in der Karre sitzen sollten, die da mutmaßlich gegen die Wand fährt oder fahren könnte, können wir natürlich die Bedingungen der Bewegungen der Karre genauestens beschreiben und mit den anderen darüber diskutieren in welche Richtung mutmaßlich andere Karren fahren und wo sonst noch Wände herumstehen, die sich dafür eignen würden, mit allen möglichen Gefährten dagegen zu fahren. Wir können auch darüber spekulieren, wie es kommt, dass die Karre in der wir sitzen ausgerechnet in diese Richtung fährt. Wir können auch wissenschaftliche Untersuchungen darüber anstellen, was sich diejenigen dabei gedacht haben könnten, die unsere Karre in Bewegung gesetzt haben und sich keine andere Karre und keine andere Wand ausgesucht haben.

Wir müssen aber nichts tun.

Wir können alles den anderen überlassen und uns wundern oder darüber ärgern, dass keiner was tut. Und wir können uns ausdenken, was wir sagen würden, wenn wir gefragt würden, warum wir nichts getan haben. Wir könnten zum Beispiel sagen, wir hätten nichts gemerkt oder nichts gewusst. Oder wir sagen einfach, dass wir zu blöd waren – oder zu schlau. Eins davon trifft wahrscheinlich zu.

Aber wir können etwas tun. – Aber was? Hauptsache ist aber, dass es nichts kostet! Um Gottes willen! Wenn es was kostet, sollen es doch bitte andere bezahlen. Zum Glück kostet diskutieren nichts.

Oder wir versuchen etwas zu tun, was wir vorher noch nicht ausprobiert haben.

Wahlzettel ankreuzen? Das dauert noch und ist nur selten erlaubt. Auf die Straße gehen? Ist doch zu laut.

oder nachlesen bei

‚America first‘ – ernst gemeint?

aber dann bitte genau nachlesen! Sonst wäre das Zeitverschwendung!

Dann aber genau nachdenken, was ich sage wenn ich gefragt werde …

Oder einfach denken: Ich werde morgen darüber nachdenken.

Oder einfach sagen: Ich werde morgen anderen nachsagen, dass sie nichts getan hätten.