Wer gewinnt den Wettbewerb der faulen Ausreden?

2017-03-30 Süddeutsche Zeitung

Zwei deutsche Firmen interessieren sich für Trumps Mauerbau

Beim Baukonzern brauchte man Stunden für eine Antwort. Der Name des traditionsreichen Familienunternehmens Bauer AG aus dem bayerischen Schrobenhausen steht auf der Liste der Firmen, die an der Ausschreibung für den Bau der Mauer interessiert sind, mit dem der amerikanische Präsident Donald Trump die illegalen mexikanischen Einwanderer abhalten will. Darauf angesprochen, war das Unternehmen zwar zunächst sprachlos, dann spielte es die Sache herunter: „Es handelt sich nur um eine Liste der Interessenten, aber keine Bewerberliste“, sagt eine Sprecherin. (…)

Bauunternehmer Thomas Bauer muss bei diesem Projekt mit besonderer Aufmerksamkeit rechnen. Er gibt gerne den Vorzeigeunternehmer mit sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung. Seinen etwa 10 000 Beschäftigten hat er eine lange Liste von Ethik-Regeln gegeben. „Bei unseren Geschäften orientieren wir uns außerdem an nationalen wie internationalen Werten und Grundsätzen und sind davon überzeugt, dass ein anständiges und korrektes Verhalten die beste Voraussetzung für Erfolg ist“, heißt es bei Bauer. Dem Unternehmen sei bewusst, „dass wir neben den ökonomischen Aufgaben auch eine soziale Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft haben“. Das gilt besonders für den Chef. Der 61-jährige Bauer hat zahlreiche Funktionen in politischen Verbänden und Vereinen. Er ist Schatzmeister der bayerischen Regierungspartei CSU und sitzt im Präsidium des Parteivorstandes. Bauer ist Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), er war Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

So ist das in Deutschland, deutschen Unternehmen und deren Verbänden: ‚Ethikregeln‘ sind oft nichtssagende Textbausteine, die mutmaßlich von ‚Unternehmensberatern‘ oder ‚Qualitätsbeauftragten‘ in Handbücher von Unternehmen kopiert werden, aber von der Geschäftsführung weder zur Kenntnis genommen noch verstanden werden. Dumm ist nur, wenn diese Texte tatsächlich von jemandem gelesen werden. Aber wahrscheinlich hat man diese Aussagen so nicht gemeint – und erst recht nicht, wenn man das Totschlagargument der Arbeitsplatzrettung aus dem Hut zaubert.

Merkel begleitet deutsche Unternehmer …

10.03.2017 Süddeutsche Zeitung:

„Chefs von BMW, Siemens und Schaeffler reisen zu Trump“

Wir dürfen gespannt sein, wie tief der Bückling der Kanzlerin vor den sog. Wirtschaftseliten sein wird.

Ich fürchte auch die Kanzlerin hat kapiert: das einzige was zählt ist ‚great deal‘. Es wäre m. E.  besser gewesen, wenn sie ihre Jungs alleine über den Teich geschickt hätte und den gnädigen Herrn zu einem Heimspiel eingeladen hätte, um sich die Hand küssen zu lassen.

Ich würde mich freuen, wenn ich falsch läge.